06 Juli 2009

Tour de France – Gedanken anlässlich des Starts

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KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA      Es ist wieder soweit. Radprofis aus aller Herren Länder versammeln sich zur „Tour“, um den König der Land- und Bergstraßen zu ermitteln. Anlässlich des Starts dieses alljährlichen Wahnsinns sei ein kurzer Blick zurück gestattet.

Im vergangenen Jahr sorgte der österreichische Bergspezialist Bernhard Kohl, der sich auch als Vorkämpfer für einen dopingfreien Radsport in Szene setzte (und damit einiges an Sympathie einheimste), zuerst für sportliche Schlagzeilen und viel Begeisterung, ehe er das Doping mit einem EPO-Präparat überführt und zum Buhmann wurde. In Verhören soll er gestanden haben, seit seinem neunzehnten Lebensjahr so ziemlich jedes zur Verfügung stehende Dopingmittel verwendet zu haben. Da drängt sich dem mitdenkenden Sportfan eine Frage geradezu auf.

Wenn Bernhard Kohl, der bekanntlich die Bergwertung gewann und in der Gesamtwertung Dritter wurde, viele Jahre lang gedopt hat, wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass die Radprofis, die schneller oder auch nur ähnlich schnell unterwegs waren wie er, nicht gedopt haben? Äußerst gering.

Eigentlich gibt es aus meiner Sicht nur drei denkbare Szenarien:

1. Sie wurden nicht erwischt, was sehr wahrscheinlich ist, denn die Proben vieler Dopingsünder sind vor ihrer Entlarvung auch über Jahre hinweg nicht beanstandet worden.

2. Sie wurden erwischt, aber aus Rücksicht auf den Radsport und das Großereignis „Tour de France“ hat man nur diejenigen bestraft, die sich – wie Bernhard Kohl - am meisten exponiert haben. Es gibt viele namhafte Sportmediziner, die seit Jahren darauf hinweisen, dass man die „Tour“ ohne die Einnahme verbotener Hilfsmittel nicht durchstehen kann. (Ein Umstand, der von den Veranstaltern, die sich als die Kämpfer gegen Doping im Radsport darstellen, aufs heftigste bestritten wird).

3. Doping bringt nicht viel. Äußerst unwahrscheinlich, denn warum hat man Doping dann verboten? Und warum gehen Sportler hohe Risiken ein, um sich aufzuputschen, wenn es doch nichts bringt?

Also strampeln auch heuer wieder hunderte Profis quer durch Frankreich,
natürlich streng kontrolliert und angeblich dopingfrei, um den Besten zu ermitteln. Aber der Etappenplan ist nach wie vor so gestaltet, dass es kaum möglich sein dürfte, ohne verbotene Hilfsmittel bis zum Ende durchzuhalten und an der Spitze mitzufahren. Wird heuer ein nicht gedopter Sportler in Paris als Sieger gefeiert werden, oder wieder nur der Beste, den man nicht erwischt hat? (Auch viele der Bestleistungen bei den Olympischen Spielen in Peking müssen in dieser Hinsicht kritisch hinterfragt werden).

Ist dopingfreier Spitzen(ausdauer)sport vielleicht überhaupt nur eine Illusion?

 

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