23 September 2009

Style Over Substance

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Sind Kleidung und Auftreten heutzutage wirklich wichtiger als die Musik?

Wenn man bedenkt, wen es in letzter Zeit an die Spitze der Hitparaden gespült hat, dann muss diese Frage wohl (leider!!) mit einem Ja beantwortet werden. Natürlich gab es solche Produzenten von Gefälligkeitspop auch schon in früheren Zeiten, aber niemand hätte in den 60-er Jahren die Monkees mit den Beatles oder Pink Floyd auf eine Stufe gestellt, während heute Lady GaGa oder Katy Perry, um nur zwei zu copyrightjps nennen, nicht nur für Popstars, sondern allen Ernstes für Künstler gehalten werden.

Diese bedenkliche Entwicklung hat selbstverständlich nicht erst in den letzten paar Jahren eingesetzt, sondern bereits Anfang der 1980-er Jahre mit dem Start des damals revolutionären TV-Musiksenders MTV begonnen. Da zu der Zeit kaum jemand Musikvideos produzierte, wurde einfach alles gesendet, was man auftreiben konnte, ein Umstand der so manche Karriere beflügelt hat, man denke nur an den sensationellen Erfolg von Michael Jackson, der ohne MTV nicht möglich gewesen wäre. Leider war ab diesem Moment die Musik nicht mehr so wichtig wie die Künstler, die ihm Video zu sehen waren, was unter anderem zu der geschmacklichen Entgleisung des 80-er Jahre Hairspray-Metal und dem Skandal um „Milli Vanilli“ geführt hat. Aber das war leider noch nicht das Schlimmste. Da die Ästhetik der Musikvideos mit ihren hektischen Schnittfolgen und oft handgehaltener Kamera bei jugendlichen gut ankamen und bald über Action-Filme Eingang in den Mainstream fand, begann sich die Werbeindustrie für diese form visueller Gestaltung zu interessieren. Innerhalb kürzester Zeit waren kaum mehr Unterschiede zwischen Musikvideos und Werbeclips für Sportschuhe, Softdrinks, oder andere speziell für Jugendliche gedachte Produkte wahrnehmbar, was dazu führte, dass man dazu überging, Musik als ein Produkt wie jedes andere anzusehen und ebenso zu vermarkten. Von da an stellte sich nicht mehr die Frage, ob jemand singen oder gute Lieder schreiben kann, sondern alles drehte sich nur noch um die Vermarktbarkeit der Person. Etwa um diese Zeit begannen auch die unerträglichen Boygroups wie Schwammerl aus dem Boden zu sprießen.


Und seither ist es noch schlimmer geworden. Zwar findet ab und zu noch ein echter Künstler den Weg ins Rampenlicht, und alle heiligen Zeiten gibt es ein wirklich originelles Video zu bestaunen, aber im Großen und Ganzen wird jeder, der es schafft, irgendwie auf sich aufmerksam zu machen, in ein Tonstudio und dann vor die Videokamera gezerrt, in der Hoffnung, den neuen Superstar gefunden zu haben. Selbst Paris Hilton hat ja schon ein Album „besungen“. Und was kommt heraus, wenn man solche Schönheiten, Ausgeflippte oder mit sonstigen Maschen, z.B.: Beleidigungen in der Art von Eminem, in das Scheinwerferlicht drängenden Personen unter Vertrag nimmt? „Konsumerotik“ a la Madonna, Britney Spears, Kylie Minogue, Lady GaGa. Mit enormem technischem Aufwand wird etwas produziert, das Musik sein soll, aber ohne jede Substanz ist und wie ein überlanger Werbejingle klingt. Wenn der Konsument oder Fan Glück hat, absolviert der Künstler dann auch noch „Live“-Auftritte, wobei er oder sie natürlich nicht singt. Warum irgendjemand 100$ und mehr für ein Konzertticket bezahlt, um dann Musik von der Harddisc zu hören und einer ausstrahlungs- und talentfreien Person dabei zuzusehen, wie sie leicht bekleidet über die Bühne torkelt, was heutzutage als Tanzen gilt, bleibt ein ewiges Rätsel.

Und dann wundern sich die Plattenfirmen, dass ihre Umsätze ständig sinken und immer weniger Leute bereit sind, für den Kommerzmist der heute die Hitparaden dominiert, Geld auszugeben. Natürlich lädt man sich die Hits, wenn man sie denn haben muss, irgendwo gratis herunter. Tokio Hotel, Lady GaGa und Konsorten sind keine Stars und nie und nimmer Künstler, sondern der Anfang vom Ende der Popmusik.

 

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